Ein Hof erfährt seine Endlichkeit

Die Geschichte vom Schultenhof in Sallinghausen


Nebenan im Dorf klafft eine große Leere. Wir haben uns verabschiedet von einem gewohnten Bild, denn seit der Karwoche (2018) gibt es den Schultenhof in Sallinghausen nicht mehr. Ein Hof, der über Jahrhunderte seinen Bewohnern Heimat, ein Zuhause, Trutzburg und Lebensmittelpunkt war, ist nun ausgelöscht. Vor fast einem halben Jahrtausend, im Jahre 1536, wurde der Schultenhof in Sallinghausen erstmals erwähnt. Doch jetzt sollte er  keine Zukunft mehr haben, nach einer nachweislich  wechselvollen Geschichte. 
Es ist ein tragischer Verlauf dieser Geschichte, der bereits seit Jahrzehnten seinen Anfang nahm und nun mit dem plötzlichen Tod des letzten Eigentümers besiegelt wurde. Danach standen der Verkauf an ortfremde Geldanleger an und damit der Abriss sämtlicher Gebäude auf der ehemaligen Hofstelle, die einst von stolzen Besitzern errichtet wurde.


Nun stehe ich kopfschüttelnd auf einer planierten Fläche, suche den Standort der einzelnen Gebäude. Es ist, als ob auf diesem Stückchen Erde niemals Leben stattgefunden hätte, sich nie menschliche Schicksale vollzogen hätten. Wie schnelllebig ist unsere Zeit und wie rasch wird im wahrsten Sinne Gras darüber gewachsen sein und alles in Vergessenheit geraten. 


Ich fühle mich als Chronist verpflichtet, hier entgegenzuwirken. Denn ich habe die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen und Interesse zu wecken mit meiner Schrift und den Fotos aus alter Zeit.  Den Menschen zur Ehre, die einst hier ihre Spuren hinterließen, möchte ich damit entgegenwirken, dass diese Spuren nicht vollends verwischen und verblassen. Das alleine ist es wert, zurückzuschauen in die Vergangenheit und damit die Erinnerung an den Schultenhof in Sallinghausen wachzuhalten. 

Das älteste Foto vom Schultenhof in Sallinghausen (um 1910/1915)
Das älteste Foto vom Schultenhof in Sallinghausen (um 1910/1915)

Die Geschichte des Schultenhofes in Sallinghausen ist in einem PDF-Dokument angehängt. Ergänzende Beiträge zu dieser Hofgeschichte finden sich auf diesen Seiten meiner Homepage: 

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Ein Gedicht von Änne Nöcker

 

Zur Einweihung des Hofkreuzes auf dem Schultenhof in Sallinghausen am 27. April 1948 hat Änne Nöcker, geb. Poggel-Schütte, aus Eslohe ein Gedicht verfasst. Mit ihrem Tod im Dezember 1993 verstummte „Eslohes plattdeutsche Stimme“. Sie war Mitbegründerin des Plattdeutschen Arbeitskreises und wurde 1988 wegen ihrer Verdienste um das Plattdeutsche mit der Ehrenmedaille der Gemeinde ausgezeichnet. Sie begann schon früh mit dem Schreiben von Geschichten und Gedichten über ihr Heimatdorf in Mundart. Später gab sie Unterricht über die plattdeutsche Sprache in den Schulen um ihr Wissen darüber an die junge Generation weiterzugeben. Sie starb im Alter von 87 Jahren.

Hundert Jahre steht unser Haus,

viele Menschen gingen ein und aus. 

Gar wechselvoll war diese Zeit,

wie Sonne und Regen kam Freude und Leid. 

 

Schon viele hundert Jahre

besteht das Schulten Gut,

wohl wechselte der Name,

nie aber Geist und Blut. 

 

Echte Sauerländer

waren sie von alters her,

sie pflegten gute Sitte

in Redlichkeit und Ehr'.

 

Sie hüteten den Glauben

mannhaft, treu und rein,

den Ehrenplatz im Hause

nahm stets der Herrgott ein. 

 

Sie stellten Saat und Ackerland

und das ganze Gut,

Keller, Scheunen und den Stall

in des Herrgotts Hut. 

 

So war auch stets auf unserem Hof

sichtbar Gottes Walten,

und auch im rauen Kriegsgewühl

blieb unser Haus erhalten.

 

 Zum Dank dafür erheben wir

hier unseren höchsten Schatz

und geben dem Kreuze unseres Herrn

den allerersten Platz. 

 

So hat's Großvater schon gewünscht,

so soll es immer sein. 

Gott, segne für immer dieses Haus

und alle, die treten ein. 

 

Gott , segne von dieser Stätte aus

den ganzen Bauernstand,

Sallinghausen, unser Dorf,

das schöne Sauerland!

 

Halt fern von uns Not und Gefahr.

Ewige Treu' wir dir loben.

Lass nie wieder wütendes Kriegsgescheh'n

dies stilles Tal durchtoben. 

 

Wir wollen helfen mit Arbeit und Fleiß

zu bannen die Hungersnot.

Mit offenen Händen wollen wir

mit der Armut brechen das Brot!

Änne Nöcker
Änne Nöcker