Der verlorene Ring

Eine wahre begebenheit


Immer wieder hört man von besonderen Ereignissen die Menschen widerfahren sind. Sie gelten als zufällig und sind oft kaum glaubhaft. Ja, man ist geneigt es als Schwindel oder gar Unwahrheit zu bewerten.  Doch es gibt sie,  diese Ereignisse. Darüber ob sie zufällig oder schicksalhaft sind, ob sie als Vorsehung oder als göttliches Zeichen zu werten sind ist nicht zu streiten. Den Beweis bleibt jeder schuldig, weil sie unerklärbar sind. Die Meinung die jeder darüber vertritt entspringt dem „glauben“, aber nicht dem „wissen“.

 

Aber immer dann wenn unglaubliche Dinge geschehen, wird einem bewusst, dass alles möglich ist auf dieser Welt, auch das Unmögliche, Unfassbare. Und sie, die besonderen Ereignisse, geschehen immer wieder. 

So ist vor einiger Zeit eine Geschichte um die Welt gegangen, die sich in Schweden ereignet hat. Eine Bäuerin fand nach getaner Arbeit in ihrem Garten ihren Ehering nicht mehr an gewohnter Stelle, eben am Finger wieder. Der Schreck war groß und alles Suchen war vergebens. Der Ring blieb verloren und sie machte sich große Gedanken über das, was dieser Verlust für sie persönlich zu bedeuten und welche Folgen er habe.

 

Der Ehe- oder Trauring gilt bereits in der Antike als Symbol der Bindung zwischen Menschen. Das Verlieren oder der Verlust eines Ringes wird damit auch von den betroffenen Menschen als schlechtes Omen, als Zeichen gesehen, dass diese Bindung Schaden leiden wird oder gar ein Unheil naht. 

Umso mehr wird dem glücklichen Umstand beigemessen, wenn der verloren geglaubte Ring unter besonders spektakulären Umständen wieder in den Besitz des Trägers gelangt.

 

Es sind Jahre vergangen und die schwedische Bäuerin befand sich wiederum bei der Gartenarbeit. Sie wollte Möhren ernten, deren Saat sie im Frühjahr selber in den Acker gegeben hatte. Sie zog eine Möhre am Grün aus dem Boden und hielt den Atem an. Was sie da sah war unglaublich, ließ sie schwindelig werden: Der verloren geglaubte Ehering umschloss den oberen Teil einer Möhre. Ein Saatkorn muss inmitten des im Boden liegenden Ringes gelangt sein. Die Saat ging auf, die Möhre wuchs und gedieh und wurde so vom Ring umschlossen. Mit stetigem Wachstum wurde er ans Tageslicht gefördert und so mit Hilfe dieser Pflanze an die Trägerin zurückgegeben.

 

Anton Baust (1923-2008), Foto von 2004
Anton Baust (1923-2008), Foto von 2004

Schicksal oder Zufall ?

 

Eine ebenso unglaubliche, aber wahre Geschichte um einen verloren gegangenen Trauring hat sich in meiner Nachbarschaft zugetragen. Es geschah in einem Spätherbst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts:

 

Auf dem Hof  von Anton Baust in Sallinghausen, dem kleinen Dorf im Sauerland, war das Getreide in Garben bereits eingefahren. Das sind die auf dem Feld geschnittenen und zusammen gebundenen Strohhalme, an denen die kornvollen Ähren noch vorhanden sind. Diese Garben sind in der Scheune in den „Bansen“ bis hinauf fast bis zum Dach aufgeschichtet worden.

Nun kam der Tag an dem der Lohnunternehmer mit seiner fahrenden Dreschmaschine eintraf und der Bauer mit seiner Familie und helfende Nachbarn die Garben von den Bansen hinunter in die Maschine warf, dort wo das Korn vom Stroh getrennt wird. Das waren immer schwere Tage auf den Höfen, wobei harte körperliche Arbeit geleistet wurde, auch wenn die Zeit des Dreschflegels schon lange Geschichte war. Erst am Abend kam die Familie zur Ruhe und beim Abendbrot bemerkte der Anton Baust seinen Verlust. Sein Ehering war verloren gegangen! Alle Bemühungen und alle Suche nach dem Ring waren vergebens, ja aussichtslos. Der Ring blieb verschwunden.

Viele Jahre gingen ins Land. Der technische Fortschritt hatte in dieser Zeit in Form eines fahrenden Mähdreschers einmal mehr Einzug in die Landwirtschaft gehalten und den Lohndrescher ersetzt. Das Getreide stand wieder reif auf dem Acker und musste geerntet werden. Für den Bauer sollte es eine besondere Ernte werden.

Baust Hof (gnt. Gockel) um 1900
Baust Hof (gnt. Gockel) um 1900
"Gockeln Hof" um 1940
"Gockeln Hof" um 1940
Winteridylle (wfoto) um 2010
Winteridylle (wfoto) um 2010

Es lief nicht so richtig mit dem neuen Mähdrescher. Das Mähwerk hatte Probleme und irgendwann hatte es sich verstopft und Anton Baust war ärgerlich, da er sich genötigt sah von der Maschine abzusteigen und nachzuschauen. Als er sich ans Werk machte das Mähgut aus der Maschine zu ziehen, fiel sein Blick auf das schier Ungewöhnliche. Ein Ring, sein verlorener Ehering, hing an einem der vorderen Mähfinger, die dafür bestimmt sind, die Ähren zu teilen und dem Messer zuzuführen.

 

Schnell wurde ihm bewusst wie unwirklich die Situation für ihn in diesem Moment des Wiederfindens war und er erinnerte sich: Beim Dreschen hatte er ihn damals verloren. Nun ahnte der Bauer welchen langen Weg sein Ring in den Jahren genommen hatte:

 

In das ausgedroschene Stroh musste er gelangt sein, welches irgendwann im Stall als weiche Unterlage fürs Vieh verwendet wurde. So kam der Ring mit auf den Misthaufen, wurde später aufgeladen, auf den Acker gefahren und mit ausgestreut. Wie lange wird er dort auf dem Felde gelegen sein? Wie oft wechselte er in den Jahren sein Lager? Mal auf dem Acker liegend, Wind und Wetter ausgesetzt, mehrere Male tief in den Boden gepflügt. Dann wurde er vom Pflug wieder ans Tageslicht gebracht. Wie oft ist er der Egge und der Saatmaschine entgangen? Nun aber kam dieser denkwürdige Tag an dem er vom Mähfinger erfasst wurde.

 

Dieser Umstand ist um so erstaunlicher, weil sich der Mähfinger immer eine Handbreit über dem Acker befindet und dadurch nicht den Boden berührt. Und dass der Ring dort so lange aufgenommen wurde bis die Störung am Mähdrescher ihn zum Entdecken brachte ist ebenso bemerkenswert.

 

Aber auch die Tatsache, dass der Bauer es selber war, der den Ring auf diese kuriose Weise wiederentdecken konnte, ist des Wunderns wert.

  

Es zeigt uns wieder einmal mehr:  Zwischen Himmel und Erde geschehen Dinge, die wir Menschen nicht mit dem Verstand begreifen oder verstehen können. Aber solche Ereignisse gibt es immer wieder. Es sind Geschichten, die es wert sind berichtet zu werden.