Geschichte von Müllers Gut


Großherzogliche Mühle in Sallinghausen

Vorwort des Verfassers

Eine wechselvolle Geschichte  stellte sich mir bei der Recherche zu diesem Bericht dar. Dabei lernte ich Menschen kennen - wie immer wenn ich in alten Schriften nach ihnen suche -, die vor meinem inneren Auge wieder erstehen.  Ich ziehe sie aus ihrer Anonymität, heraus aus verstaubten Akten, und lade den interessierten Leser dazu ein, sie kennenzulernen.  Als Chronist versuche ich,  mich in diese Menschen und deren Schicksale hineinzuversetzen. Dabei finde ich stets Freunde, Menschen zu denen man aufschauen kann und die auch heute Vorbild sein können für manchen Zeitgenossen. Doch ich fand auch solche, die mir zeigen, dass Egoismus keine Erfindung der Neuzeit ist. Die Zeit hat  alle gleichgemacht, denn ihre Leben sind ausgehaucht. Sie gingen einen Weg, den wir alle einmal gehen müssen. Was ist ein Leben im Zeitraffer der Geschichte?  Ihr seht mich nachdenklich! Lest die Geschichte vom Mühlengut in Sallinghausen! 


Die Menschen, die einst dieses fruchtbare Tal urbar machten, erkannten die vorhandenen und für ihre Besiedlung günstigen Verhältnisse. Hier im unteren Tal der Salwey machten sie sich die Wasserkraft zunutze. Urkundlich erwähnt wurde erstmals 1467 die Großherzogliche Mühle, die als Kornmühle erbaut und in späterer Zeit um eine Sägemühle erweitert wurde. Schon bei Niedereslohe, unweit der Einmündung des Essel-Baches in die Salwey, zweigt der „Mühlengraben“ einen Teil des Fließgewässers ab um es auf die Schaufeln eines Wasserrades zu lenken. Seit Jahrhunderten ist der Lauf dieses Wassers Garant für die Ausübung eines Berufes; der des Müllers.

 

Im Mittelalter galt das Müllergewerbe als „ehrlos“ und wurde vielerorts zu den „unehrlichen“ Berufen gezählt, da den Müllern oft Betrügereien unterstellt wurden. Das ihnen überlassene Getreidekorn wurde zu Mehl oder Schrot gemahlen und üble Nachrede, dass der Müller Korn für eigene Zwecke beiseiteschaffte, war selten nachweisbar. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts erklärten deshalb Reichsgesetze die Müller ausdrücklich als ehrbar und zunftwürdig. Auch der Chronist setzt voraus, dass die in diesem Bericht genannten Müller ihrem Berufsstand alle Ehre zukommen ließen.

Die Bewohner weiterer vier Höfe, Mathewiß, Gockel, Nurk und der Schultenhof, deren ursprüngliche Entstehung im Dunkel der Geschichte liegt, siedelten hier und wurden sesshafte Bauern. Ehemals war das Müllers Gut einer der größten im Dorf und folgender Umstand lässt den Schluss zu, dass es kein Pachtgut sondern Eigentum war: 

Blick auf die Pension Sternberg, rechts der 1905 erweiterte Stall, vorne die Mahl- u. Sägemühle neben der 1953 abgerissenen Dorfkapelle St. Antonius  (Foto: um 1930)
Blick auf die Pension Sternberg, rechts der 1905 erweiterte Stall, vorne die Mahl- u. Sägemühle neben der 1953 abgerissenen Dorfkapelle St. Antonius (Foto: um 1930)

Der Ursprung einer Mär

 

Im Jahre 1461 hat der Nachbar Hans Mathewiß (Mathweis) und seine Ehefrau Stine durch Erbkaufbrief Flächen vom Müllergut erworben, und zwar eine Wiese im Klusenkamp, 2 Fuder Heuwachs groß, ferner das Land in der breiten Schlade (auch Butterschlade genannt) zu 7 Scheffel, im Hollacker zu 4 Scheffel groß und das Höfchen ober Müllers Hause. Auf diesen Pertinenzien (Zugehörigkeiten) ruhte eine Abgabe von 3 Scheffeln Hafer und einem Huhn. 1)

Grund für die Abgabe der Grundstücke an den Nachbarn war der beabsichtigte und 1467 auch durchgeführte Neubau einer Kornmühle, wofür eine Menge bares Geld benötigt wurde. Da es damals keine Geldverleihinstitute gab um eine Finanzierung abzusichern, mussten Grundstücke verpfändet werden.

Müller, die ihren Besitz als Eigentum bewirtschafteten, waren oft in dörflichen Maßstäben gemessen, schon im 17. Jahrhundert wohlhabend. Auch wenn die neue Mühle ein vortreffliches Wassergefälle durch den Mühlengraben aufweist und bei richtigem Ausnutzen und Betreiben einen guten Gewinn versprach und 1686 auch zusätzlich eine Sägemühle an die vorhandene Mahlmühle angebaut wurde, die verpfändeten Grundstücke konnten später nie wieder eingelöst werden. So blieben diese zurecht im Besitz des Geldgebers. In einer Urkunde vom 27. Juni 1481 bekunden unter Zeugen die Brüder Hans Stesseman (nebst seiner Ehefrau Greite) und Diderich Stesseman, dass sie ihr gesamtes Möllengut zu Salvinchusen im Kirchspiel von Esleue an Hans Mathewiß und dessen Ehefrau Stine für eine wohl bezahlte Geldsumme erblich verkauft haben. Die Verkäufer wollen dem Ehepaar Mathewiß „stets vollkommene erbliche Wahrschaft auf allen Stätten und an allen Gerichten tun“.

Dennoch wird in den nachfolgenden Müller-Generationen die Sachlage oft in Frage gestellt und angezweifelt, ja sogar gerichtlich angegangen. Auch darüber soll im Folgenden berichtet werden. 


Bildausschnitt vom Foto um 1900: Müllers Wohnhaus mit 1868 errichtetem Stall. Daneben die "Steinkuhle" und späterer Garten, 1905 vom Schulte gekauft
Bildausschnitt vom Foto um 1900: Müllers Wohnhaus mit 1868 errichtetem Stall. Daneben die "Steinkuhle" und späterer Garten, 1905 vom Schulte gekauft

Chronologie einer Müllerfamilie

 

Viele der heute noch im deutschsprachigen Raum gebräuchlichen Familiennamen sind vor 700 Jahren entstanden. Als im 12. und 13. Jahrhundert die Nachnamen eingeführt wurden, lag es nahe, dass viele Menschen die Bezeichnung ihres Berufes übernahmen. So ist es nicht außergewöhnlich, dass die Bewohner der Kurfürstlichen Mühle in Sallinghausen bereits in den ältesten Aufzeichnungen mit dem Namen Müller in unterschiedlicher Schreibweise benannt wurden:

1536 zahlt Gort (Gerhard) Mulner 1 Goldgulden Schatzung und nachfolgend 1563 zahlt Gordt, nunc (jetzt) Henrich Molnner, ebenfalls 1 Goldgulden Schatzung. Das Güterverzeichnis, welches der Churfürstliche Rath und Droste Heinrich Schade zu Grevenstein 1600 erstellte, weist aus: „Hermann Moller sitzt auf der Straßen, gehöret die Moell Reverendissimo, thut an Pacht 3 Malter Korn, 4 Stüber Beede 2), 1 Scheffel Rauchhafer, 1 Goldgulden Schatzung“ und in einem weiteren Güterverzeichnis von 1625 heißt es: „Moller hat pfandweise 1 ½ Malder Bergland und Hawerland ( = Haferland)“ 3)


Mahl- und Sägemühle in Sallinghausen (Foto: um 1950)
Mahl- und Sägemühle in Sallinghausen (Foto: um 1950)

Zwei Brüder aus Beisinghausen heiraten in Sallinghausen ein

 

Da die Mühlen fast ohne Ausnahme ausschließlich vom Vater auf einen Sohn vererbt wurden, sind Besitzerfolgen in einer Familie über mehrere Jahrhunderte hinweg nicht unüblich. Aus den Kirchenbüchern 4) kann das auch für die Ermittlung der Stammfolge der Sallinghauser Müllerfamilie festgestellt werden, deren Nachfolger im Erbe jeweils als Ackersmann und Müller bezeichnet sind. Neben dem Nachnamen Müller oder Möller wird später Molitor genannt 5) bis durch Einheirat am 23.10.1701 der Name Baust Einzug in die Kirchenbücher hält:

Mangels männlicher Erben wird die Tochter Gertrud Müller (Molitor) von ihrem Vater Thonies (Anton) Molitor in seinem Testament vom 2.5.1705 als Erbin von Mühle und landwirtschaftlichen Grundbesitz eingesetzt. Das Testament wurde vom Notar Henricus Hötten im Beisein des Esloher Vikars Jodocus Henken aufgenommen. Anton Molitor gibt darin zu Protokoll, dass er 30 Thaler vom Herrn von Westfalen zu Laer geliehen habe um seinen (offensichtlich verloren gegangenen) Prozess gegen Mathweis zu finanzieren. 6) Er überlässt somit seiner Tochter und dem Schwiegersohn, deren Ehemann Johannes Baust, geboren am 27.12.1671 in Beisinghausen bei Reiste, nicht getilgte Schulden. Johannes Baust wird nun durch Einheirat Müller in Sallinghausen.

Sein Bruder Franz Baust zieht Jahre später in die Sallinghauser Nachbarschaft. Dieser heiratet am 23.9.1721 die Hoferbin Elisabeth Gockel. Der Name Baust hat sich dort bis heute erhalten, während die Sallinghauser Mühle nur drei Generationen lang mit dem Namen Baust verbunden war:

Die Erbin Gertrud Baust, geborene Molitor, vererbte die Mühle nebst Grundbesitz an das älteste von sechs nachweislichen Kindern, ihren Sohn Franz Theodor Baust (* 12.11.1702 + 5.8.1764). Dieser baute 1733 eine neue Einrichtung in die Mahlmühle ein. Erst im Alter von 35 Jahren ehelichte er am 19.11.1737 die Anna Margaretha Spott, gnt. Hoffmann, aus Kückelheim (* 30.3.1709 + 17.10.1766). 


Sallinghausen im Mühlental (Foto um 1920)
Sallinghausen im Mühlental (Foto um 1920)

Ferdinand Baust: Müller und Kirchenprovisor

 

Nach den Aufzeichnungen im Esloher Taufregister entstammen aus dieser Ehe fünf Kinder, darunter das älteste Kind, der Sohn und spätere Erbe Johann Ferdinand Christian Baust (* 31.12.1738 + 5.9.1787). Dieser wird in den Kirchenbüchern auch als Kirchenprovisor genannt und seine Unterschrift steht unter verschiedenen Schriftstücken, wo er als Zeuge berufen wurde. 7) 

In Ausübung ihres Amtes eichten die Provisoren Jacob Hömberg und Ferdinand Baust am 28.2.1782 (Eichen trockener Maße durch den Esloher Pastor Enst) dem Weulen einen Scheffel, dem Wortmann in der Niedern Salwey einen Scheffel, dem Tönnes Dieterich Schulten und dem Hoppen aus der Obern Salwey einen Spint (= Volumenmaß für Getreide) 8)

1761 hatte die Kirchengemeinde Kapital aus Kirchengeldern an das Herzogtum Westfalen wegen Kontributionen und Lasten durch den Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) ausgeliehen. Die erhaltenen Zinsen wurden an Ferdinand Baust weitergeliehen, von diesem aber 1778 zurückgezahlt, da diese zum Neubau der Pfarrkirche benötigt wurden. 9)  In der Zeit von 1776 bis 1788 erhielt die Sägemühle (Müller zu Sallinghausen) mehrfach Schneidelohn für den Neubau der Esloher Pfarrkirche. 10)

Nach der Viehzählung, die im Jahr 1760 durchgeführt wurde, wurden auf dem Mühlengut in Sallinghausen 2 Stück Rindvieh, 1 Schaf, 2 Geißen und 4 Schweine gehalten. 11)

Ferdinand Baust heiratete am 2.6.1767 in erster Ehe die auf Gut Wenne aufgewachsene Eva Margareta Reuber (* 18.12.1742 + 20.8.1776). Vier Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, wovon später im väterlichen Testament nur zwei Kinder bedacht werden, was bedeutet, dass zwei Kinder noch im Kindesalter starben. Die Tochter Anna Maria Christina Baust (* 7.7.1773 + 1.4.1821) und Johann Franz Josef Baust (* 23.6.1776 + Testament am 1.4.1807) haben den Vater Ferdinand Baust überlebt. Die Mutter starb jedoch bereits am 20.8.1776 „im Kindsbett“, wenige Wochen nach der Geburt ihres jüngsten Kindes Franz (* 23.6.1776).

Da wird verständlich, dass Ferdinand nur wenige Wochen nach dem Tode seiner ersten Frau, am 23.10.1776 in zweiter Ehe die Elisabeth Wulf sive (oder) gnt. Sellmann (* 7.1.1748 + 10.9.1795) ehelichte. Aus dieser Ehe gingen in den folgenden Jahren fünf weitere Kinder hervor, wovon wiederum nur zwei überlebten. Das ist aus dem Inhalt des Testaments zu schließen, welches der erkrankte Ferdinand Baust am 30.8.1787 durch Pastor Philipp Wilhelm Enst (Pastor in Eslohe von 1756 bis 1788 und Erbauer der heutigen Pfarrkirche), protokollieren ließ. 12) Die Nachbarn, der schreibunkundige Herman Gockel und Johan Dirk (Diederich) Maths waren Zeuge der Beurkundung. Das kann als ein sicheres Zeichen dafür gedeutet werden, dass der alte Streit über die verpfändeten Grundstücke mit Mathweis für Ferdinand Baust längst beigelegt war. Ferdinands letzter Wille: Erben sind je zwei Kinder aus zwei Ehen, die jeweils 10 Rt. erhalten sollen. Die zweite Ehefrau soll die Haushaltung behalten und versorgt werden, sollte sie den Haushalt nicht mehr führen können. 13)

Sallinghausen um 1950: links Schmies Haus, daneben Dorfkapelle und Schmies Schmiede, die Mahl- u. Sägemühle, rechts Gockeln Hof (Familie Baust)
Sallinghausen um 1950: links Schmies Haus, daneben Dorfkapelle und Schmies Schmiede, die Mahl- u. Sägemühle, rechts Gockeln Hof (Familie Baust)

Postkarte um 1930: Privatpension Sternberg
Postkarte um 1930: Privatpension Sternberg

Ein forscher Müllerbursche aus Oedingen 

 

Die Tochter aus erster Ehe, Maria Baust, war beim Tod des Vaters am 5.9.1787 gerade 14 Jahre und der Sohn Franz 11 Jahre alt. Deren Stiefmutter Maria Elisabeth Baust, geborene Wulf, erhielt die Vormundschaft über die Stiefkinder. 14) Doch sie war mit diesen und ihren leiblichen Kindern für sich allein gestellt. Da war Hilfe und Beistand, insbesondere bei der Bewirtschaftung von Mahl- und Sägemühle sowie der Landwirtschaft gefordert. Das fand die fast vierzigjährige Witwe in dem jungen Müllerburschen Johann Jodokus Sternberg (* 17.3.1764 in Oedingen + 21.7.1809 in Sallinghausen), der wohl für Lohn, Brot und Unterkunft beschäftigt wird. Dessen Eltern Thomas Sternberg und Anna Elisabeth Schulte bewirtschafteten die Oedingermühle in Pachtung, sodass dem jungen Müller der Beruf sozusagen „in die Wiege gelegt wurde“. 15)

Es muss harmoniert haben zwischen diesem ungleichen Paar, was bald offenkundig wird: Die Witwe und der aufstrebende junge Mann heiraten am 22.1.1789. Am 12.10.1789 kommt ihre gemeinsame Tochter Maria Margaretha zur Welt. Patin ist die Nachbarin Maria Margaretha Maths.
Am 10.9.1795 stirbt Maria Elisabeth (geb. Wulf, verwitwete Baust, verh. Sternberg), nach einem bewegten Leben im Alter von 47 Jahren an Wassersucht. Der junge Witwer Johann Jodokus Sternberg bleibt auf dem Sallinghauser Mühlengut und geht bereits am 20.2.1796 die zweite Ehe mit der jetzt 23jährigen Maria Baust ein. Diese trägt am Tag der Eheschließung den neuen Erben unter ihrem Herzen.
Am 22.10.1796 wird der Sohn und spätere Erbe des Mühlengutes Franz Joseph Sternberg geboren. Noch fünf weitere Kinder der Eheleute erblicken das Licht der Welt, darunter die Söhne Clemens, Ferdinand und der behinderte Anton. Wegen Abfindungen vom elterlichen Vermögen führen diese später Klage gegen ihren älteren Bruder, wonach schwerlich vorzustellen ist, dass forthin eine gute verwandtschaftliche Beziehung untereinander bestand. 16) 

Vermutlich haben sich die Geschwister aus erster Ehe, Maria und Franz die Bewirtschaftung des Mühlenguts geteilt. Am 1.4.1807 ließ Franz Baust den Notar Stöwer kommen und seinen letzten Willen protokollieren. Aufgeführt werden in diesem Testament, welches wohl kurz vor seinem Ableben verfasst ist, ausschließlich ausstehende Beträge von Kunden, die wegen der Sägemühle von diesen noch zu fordern waren. 17) So ist zu folgern, dass Maria und ihr Ehemann Johann Jodokus Sternberg die Bewirtschaftung der Kornmühle und ggfls. der Landwirtschaft oblag, während Bruder bzw. Schwager Franz bis zu seinem frühen Ableben die Sägemühle betrieb.

Anders wie sein Schwiegervater Ferdinand Baust, der offenbar ausgleichende Wesensmerkmale zeigte und sich um gute nachbarschaftliche Beziehungen bemühte, geht der „angeheiratete Beisasse“ (Eintragung im Esloher Kirchenbuch) Johannes Jodokus Sternberg nachweislich andere Wege.
1805 erhebt er mit Hilfe des Aktuars (Amtsschreiber) Blaufus in Oedingen beim Esloher Gericht Klage gegen seinen arglosen Nachbarn Johann Diederich Mathweis und fordert von diesem die Herausgabe jener Grundstücke, die ursprünglich (vor 1461) zu Müllers Sohlstätte gehörten und macht Mathweis gleichzeitig zur Auflage, dieser solle zur Begründung seiner, des Klägers Anklage, die dafür nötigen Urkunden zur Verfügung stellen. Der angeklagte Nachbar wehrt sich und beauftragt erfolgreich den Advokat Thüsing. Es kommt erneut zum Prozess der wiederum für den Müller verloren geht. 18)

Am 21.7.1809 stirbt Jodokus Sternberg im Alter von 45 Jahren an der fallenden Sucht (Epilepsie). Sein Sohn Franz, der später das Mühlengut erben und fortführen soll, ist jetzt erst 12 Jahre alt. Seine Mutter Maria Christina holt den dreißigjährigen Müller Anton Brendel nach Sallinghausen, dessen Brotherr von Stockhausen war. Die Witwe und der Müller heiraten am 23.10.1810. Dennoch wird 1815 die Mühle in Erbpacht vergeben. Der Erbpachtbrief lautet auf 300 Thaler. 19)
Aus dieser Ehe entstammen zwei überlebende Kinder, der Sohn Heinrich Georg (*28.3.1812) und die Tochter Anna Maria Elisabeth (* 30.11.1814). Mit 46 Jahren gebärt Maria Christina noch einen kleinen Jungen, der auf den Namen Franz Anton (* 1.9.1819) getauft wird, jedoch am 20.9.1819 an Krämpfen stirbt.

Doch auch der Mutter ereilt schon bald der Tod: Maria Christina (geb. Baust, verwitwete Sternberg, verh. Brendel) stirbt am 1.4.1821 im Alter von 48 Jahren an Auszehrung (wohlmöglich an Schwindsucht). Der Witwer Anton Brendel zieht mit seinen Kindern nach Sieperting als Beisasse bei Stiesberg gnt. Beulmann und heiratet am 19.11.1822 dort die Tochter des Sallinghauser Dorfschäfers Anna Maria Schnöer. 


Sternbergs Wohnhaus, 1836 neu erbaut (Foto um 1920 kurz vor dem Umbau)
Sternbergs Wohnhaus, 1836 neu erbaut (Foto um 1920 kurz vor dem Umbau)

Franz Joseph Sternberg: jung und emsig

 

Nach dem Tod der Mutter wird Franz Joseph Sternberg Eigentümer über das Mühlengut in Sallinghausen, löst bald das bestehende Erbpachtrecht der Mühle aus und bewirtschaftet das Mühlengut selbst. Er ist jung, gerade 24 Jahre alt und scheint furchtlos sein Leben in die eigene Hand zu nehmen. Im folgenden Jahr, am 26.11.1822, ehelicht er die blutjunge, gerade neunzehn Jahre junge Elisabeth König aus Kückelheim (*5.11.1803).

1836 errichtet Franz Joseph auf der gegenüber der Mühle liegenden Bachseite der Salwey ein neues Wohnhaus. Er muss Geldnot gehabt haben und leiht am 16.8.1835 vom Esloher Schullehrer Tillmann ein mit 5 Prozent verzinsliches Kapital von 100 Thalern. Darüber wird ein Schuldschein ausgestellt, der im Laufe der Zeit „abhandenkommt“. Erst vierzig Jahre später wird ein Exekutor (Gerichtsvollzieher) namens Hengesbach tätig und fordert im Auftrag der Erben des verstorbenen Schullehrers die Rückzahlung. Franz Sternberg (der ältere) sieht sich verantwortlich und begleicht am 4.1.1874 die Schulden seines Vaters, nebst Zinsen an den Erben Clemens Tillmann unter den Augen eines Zeugen. 20)

1840 lässt Franz Joseph die 1686 errichtete Sägemühle abreißen, baut diese aber vermutlich wegen fehlenden Geldmitteln nicht wieder auf. Erst am 1.4.1881 wird eine neue Sägemühle durch den Sohn Franz (der ältere) errichtet, der sich bei der Planung und Durchführung auf einen aus Bayern stammenden Ingenieur mit Namen Flaum stützen kann. 21)

Franz Joseph Sternberg stirbt am 1.7.1875 im Alter von 79 Jahren an Altersschwäche. Er überlebte seine Frau um 28 Jahre! Diese gebar in der Zeit ihrer Ehe mit Franz Joseph insgesamt elf Kinder (3 Jungen und 8 Mädchen), wovon vier im Kindesalter starben. Erst am 27.5.1838 wird Franz Sternberg (der ältere) geboren, der künftige Erbe des Mühlengutes, da seine beiden älteren Brüder bereits vor seiner Geburt gestorben sind.  Elisabeth selbst stirbt am 14.4.1847 an Auszehrung im Alter von 43 Jahren. 


Franz Sternberg (der ältere): Ein mustergültiges Leben

 

Überhaupt scheint der Sohn Franz Sternberg (der ältere) mit seinem Erbe einige Lasten übernommen zu haben, die ihm sein Vater und vorherige Generationen hinterlassen hatten. Für ihn wird die Nutzung der neuen Sägemühle zum Haupterwerb und er beschließt, nur die seit 1870 eingerichtete und gut in Anspruch genommene Lohndrescherei (bis 1916 genutzt wird) zu betreiben, während die Kornmühle zur Pacht ausgeschrieben wird. Der erste Mühlenpächter ist der Müller Föbel (von 1880 bis 1883). 22)

Im Alter von 33 Jahren, am 8.8.1871, heiratet Franz (der ältere) die Anna-Maria Böhmer aus Bremscheid (* 29.5.1843 + 14.6.1883). Am 11.8.1872 wird ein Sohn, der Stammhalter, geboren. Sie taufen ihn auf den Namen Franz (der jüngere). Der Name hat nun über drei Generationen hinweg Tradition im Hause Sternberg. Es folgt Caspar Anton (* 19.6.1874) und Joseph (* 20.7.1877), der im Kindesalter am 9.1.1890 an Wassersucht stirbt. Die Tochter Maria erblickt am 29.5.1880 das Licht der Welt. 

Franz Sternberg (der ältere)
Franz Sternberg (der ältere)
Ehefrau Anna Maria, geb. Böhmer
Ehefrau Anna Maria, geb. Böhmer

Ihre Schwester Theresia wird am 8.6.1883 geboren. Es gibt Komplikationen bei der Geburt und die Mutter stirbt im Kindsbett am 14.6.1883; das Kind folgt ihr im Tode am 28.6.1883. Ein herber Schicksalsschlag für Franz (der ältere) und dessen minderjährigen Kinder. Der Vater geht am 17.10.1886 eine neue Verbindung ein und ehelicht die 44jährige Maria Theresia Plett aus Sellinghausen (* 25.2.1842) die seinen Kindern eine gute Stiefmutter wird.

Franz Sternberg (der ältere) scheint sein Leben mit großer Verantwortung zu führen und erkennt frühzeitig, wie wichtig es ist, dem „kleinen Franz“ Einblick in die Geschäfte zu verschaffen und bezieht ihn in seine Pläne und Überlegungen mit ein, obwohl er sich das Eigentum am Vermögen vorbehält und nicht frühzeitig überträgt. Die Jahrhundertwende steht bevor und viele technische Erneuerungen nehmen Einzug in das tägliche Leben. Beide, Vater und Sohn, sind fasziniert davon und nutzen die Möglichkeiten für ihre Mahl- und Sägemühle. So entscheiden sich die beiden 1896 für den Einbau einer Francis-Wasserturbine, die alle Mahleinrichtungen der Kornmühle antreibt. 23) Das vorhandene Wasserrad wird fortan nur die Sägemühle in Bewegung setzen. 

Momentaufnahme aus einem Müllerleben (links oben: Franz Sternberg jr.
Momentaufnahme aus einem Müllerleben (links oben: Franz Sternberg jr.

Im Jahre 1902 wird Franz (der ältere) von einer heimtückischen Krebserkrankung heimgesucht und er spürt, dass ihm nur wenig Zeit verbleibt, noch die für ihn wichtigsten Dinge zu regeln. Eilig schickt der Schwerkranke am 23. April 1902 den zwölfjährigen Kuhhirten Clemens Theis aus Eslohe zum Sallinghauser Ortsvorsteher (Eickhoff?) mit dem Ersuchen, dieser solle schleunigst sein Testament 24) aufnehmen, weil er fürchte, die Ankunft eines Richters oder Notars nicht mehr zu erleben. Der Nachbar eilt in Sternbergs Wohnung und lässt als Zeugen den Verwaltungssekretär Johannes Schulte und Schwester Maria Liboria, geborene Katharina Storm, die Vorsteherin des Esloher Krankenhauses ist, kommen. Diese finden Franz Sternberg im Bette liegend vor, im besorgniserregenden Zustand, aber bei Bewusstsein und im vollen Besitze seiner Geisteskräfte. So verfügt dieser, dass sein Sohn Franz (der jüngere) Universalerbe seines gesamten Vermögens, also der Mühle, Wohn- und Wirtschaftsgebäude, aller Grundstücke und Inventar wird. Er soll verpflichtet sein, seinem Bruder Caspar neben der bereits erhaltenen Abfindung von 3.000 Mark weitere 3.000 Mark bei dessen Gründung eines eigenen Geschäfts oder auf dessen Verlangen auch früher zu zahlen. Auch die Tochter Maria wird bedacht. Sie soll im Falle ihrer Verheiratung vom Haupterben 6.000 Mark Abfindung vom elterlichen Vermögen erhalten. 25) Mit seiner Ehefrau besteht ein vor dem Königlichen Amtsgericht in Meschede geschlossener Ehevertrag. Dessen Inhalt soll über seinen Tod hinaus in allen Teilen bestehen bleiben.

War dies Franz Sternbergs letzter Wille, so besteht für ihn ein weiteres, sehr wichtiges Anliegen: Er will für sich und für alle Zukunft Klarheit über den seit Jahrhunderten schwelenden Konflikt zwischen den Generationen seiner Müllersfamilie und den Nachbarn auf Mathweis Hof. Sein ganzes Vertrauen setzt er in Pfarrer Johannes Dornseiffer und bittet diesen unter Aushändigung aller vorhandenen Urkunden und Schriften, die bestehende Sachlage zu beurteilen. Er hegt die Hoffnung, dass damit ein Schlussstrich gezogen wird und die Mär vom unrechten Gut für allemal Geschichte ist.

Neben vielen anderen guten Taten, die dem Esloher Gottesmann bis heute nachgesagt werden, ist es nun auch dessen Verdienst, dass diese Fehde ein Ende findet. Mit Gutachten vom 4. Mai 1902 beweist und stellt Pfarrer Dornseiffer dar, dass alles rechtens sei und er schließt, an die Adresse des auf dem Sterbebett liegenden Franz Sternberg gerichtet, mit den Worten: „Machen sie kurzen Prozess, begraben sie ihre bisherige Ansicht; nur damit dauernd Friede in Sallinghausen einziehe, beantragen sie Separation.“

Franz Sternberg schließt am 22.6.1902 in Frieden mich sich selbst und allen anderen für immer seine Augen. In seinem Totenzettel ist zu lesen: „ ..er starb nach langem, mit Geduld ertragenen Leiden, wohlvorbereitet durch einen christlichen Lebenswandel…“


Franz Sternberg (Millimeterfranze), Foto um 1900
Franz Sternberg (Millimeterfranze), Foto um 1900

Millimeterfranze

 

Große Schuhe sind das, in die Franz Sternberg (der jüngere) als Erbe seines verstorbenen Vaters, treten wird. Doch er schickt sich an, einige vorbedachte Pläne bald umzusetzen. 1904 wird die Sägemühle um eine Bauholzsäge ergänzt und eine Hobelmaschine angeschafft, nachdem ein Jahr zuvor durch einen Umbau des Sägewerks und Einbau eines neuen Wasserrades die Voraussetzung dafür geschaffen wurde. Im gleichen Jahr wird an das bestehende Wohnhaus ein Kuhstall angebaut und das auf der anderen Straßenseite seit 1868 vorhandene Stallgebäude wird 1905 umgebaut und um ein Stockwerk erhöht. Dafür erwirbt er zur Erweiterung des Stalles und zum Anlegen eines Hausgartens von Schulte das angrenzende Grundstück mit „Steinkuhle“ 26).

Am Morgen des 4.1.1906 findet man die Stiefmutter Maria Theresia Sternberg, geb. Plett, tot im Bett auf. Sie hat auch nach dem Tode des Vaters treu den Haushalt geführt, gemeinsam mit der Schwester Maria.
Noch im selben Jahr soll Hochzeit gefeiert werden. Am 31.7.1906 ist eine große Festgesellschaft von Nachbarn, Verwandten und Bekannten in Sallinghausen eingeladen um die Eheschließung des Müllers mit Anna Josefa Cormann gnt. Brinkmann (* 23.1.1879) ausgiebig zu feiern.  Einige Musiker der Kapelle Eilinghoff spielen auf und begleiten das Fest mit fröhlichem Spiel.  Die Braut ist gebürtig aus Blintrop bei Neuenrade. Ihre Eltern sind der Landwirt Anton Cormann und Bernhardine, geborene Habbel aus Glinge.

1908 erwirbt Franz vom Nachbarn Feldmann (Nurks Hof) eine Wiese von zwei Morgen am Mühlengraben für 2.400 Mark zur Erweiterung der Betriebsfläche an der Mühle. Im gleichen Jahr wird in seinem Hause die öffentliche Fernsprechstelle eingerichtet. 1910 lässt Franz eine zweite, etwas kleinere Francis-Wasserturbine installieren, denn er plant die Anschaffung eines Dynamos und Akkumulatoren um damit eine eigene Stromversorgung zu schaffen. Der Ort ist zu dieser Zeit noch nicht am Überlandnetz angeschlossen. 27) Schon im nächsten Jahr setzt er seine Pläne in die Tat um und produziert nun so viel Strom, dass er damit das Dorf mit elektrischer Beleuchtung versorgen kann. Am Abend des 18. November 1911 erhellt erstmals eine elektrische Glühbirne die Sallinghauser Dorfstraße. 28)
Franz Sternberg hat den Ehrgeiz, seine Kornmühle in eine erstklassige Handelsmühle zu verwandeln und erneuert 1911 deren Inneneinrichtung vorbildlich. Ein neuzeitlicher Walzenstuhl 29) wird eingebaut. 

Hochzeitsgesellschaft 1906: Eheschließung von Franz Sternberg jr. und Anna, geborene Cormann. Die Musiker der Kapelle Eilinghoff begleiten das Fest.
Hochzeitsgesellschaft 1906: Eheschließung von Franz Sternberg jr. und Anna, geborene Cormann. Die Musiker der Kapelle Eilinghoff begleiten das Fest.
Das Hochzeitspaar mit ihren Treuzeugen und Brautjungfern  (1906)
Das Hochzeitspaar mit ihren Treuzeugen und Brautjungfern (1906)

Wer war dieser Mensch, der scheinbar rastlos Plan für Plan in die Tat umsetzt? 

Zeitzeugen beschreiben ihn eher als einen in sich gekehrten, etwas kauzig wirkenden Zeitgenossen, der wenig Verständnis für den oft ungezügelten Übermut der Sallinghauser Jugend zeigt. Dabei ist der ihm irgendwann verliehene Spitzname „Millimeterfranze“ eigentlich als ein Kompliment und nicht als Herabwürdigung zu sehen. Franz Sternberg hat den Ruf, saubere und präzise Arbeit zu leisten. Die Bretter, die seine Sägemühle verlassen, sind exakt geschnitten und tadellos verarbeitet.

Er ist ein Tüftler, schmiedet fortlaufend neue Ideen und experimentiert, was oft ein ungläubiges Kopfschütteln bei seinen Mitmenschen hervorruft. Um seine abgelegene Obstwiese oben im Estenberg vor ungebetenen Gästen zu schützen, installiert er dort eine Selbstschussanlage und nutzt Salzkörner als Munition, was die Dorfjugend nicht davon abhält, dennoch seinen Zaun zu überwinden. 30)

 

Bewegte Zeiten: Krieg und Frieden

 

1911 wird die Eisenbahnstrecke von Finnentrop nach Wennemen eröffnet. Die Strecke führt durch den Ort, direkt an Sternbergs Hausgrundstück vorbei. Nichts ist mehr wie früher in diesem stillen Flecken und der Beginn des ersten Weltkriegs 1914 trägt das Übrige dazu bei. 31) Die Weltgeschichte fährt sozusagen auf eisernen Rädern am Haus vorbei: Erst sind es die euphorisch jubelnden Soldaten, die ins Feindesland reisen, dann die „Rothosen“, französische Kriegsgefangene auf dem Weg ins Gefangenenlager nach Meschede, dann die Züge voller Kriegsverletzter auf dem Transport in die Lazarette und schlussendlich ein abgehängter Waggon auf den Gleisen, dessen Leichengeruch das Schlimmste erahnen lässt.
Und dann strandet noch an einem Septembertag 1916, jedoch unfreiwillig, die Besatzung eines Luftschiffs unweit des Dorfes. Das Fluggerät hatte an Höhe verloren und war in den Baumkronen eines Laubholzbestandes gefangen. Das ist eine gute Gelegenheit für den wissbegierigen Sternberg, die mit dem Schrecken davongekommenen Ballonfahrer mit Hilfe herbeigeeilter Nachbarn zu befreiten und einzuladen, in seinem Haus zu nächtigen und seine Gastfreundschaft zu genießen. 32)
Über drei Jahre währt bereits der Krieg. Schon werden Glocken den Kirchtürmen entrissen um aus ihrem Material Waffen zu schmieden. Die Feuerglocke aus der Esloher Pfarrkirche steht bereits zum Abtransport am Bahnhof bereit, da kommt Franz Sternberg in den Sinn mit Hilfe einiger Nachbarn die Glocke zu retten. Sein Vorschlag kommt beim Ortsvorsteher Franz Baust gut an und gemeinsam mit Franz Mathweis und dem Schlosser Josef Schulte gnt. Eiken wird das „Unternehmen Bim Bam“ gestartet. In der Nacht vom 18. auf den 19.11.1917 verschwindet die Feuerglocke spurlos und taucht erst Dank des beherzten Einsatzes der Sallinghauser nach Kriegsende wieder auf. 33)

In diesen Jahren reift auch der Gedanke bei Franz Sternberg, den Betrieb der Kornmühle zu verpachten. Er findet einen Interessenten, die Firma Gebrüder Böhmer aus Gelsenkirchen. Diese möchte durch Einrichtung einer Haferschälmühle in Sternbergs Mühle das Angebot um die Produktion von Haferflocken ergänzen. 1916 treten die neuen Pächter ein und bleiben sechs Jahre hier bis ihnen die Möglichkeit geboten wird, durch Kauf der alten Lohgerberei Scheele in Eslohe eine eigene Produktionsstätte zu gründen. Ihre Einrichtungen werden in Sallinghausen wieder entfernt, sodass Franz Sternberg in der verlassenen Schälmühle eine Wohnung einrichtet. Die soll einem künftigen Pächter eine Wohnstätte bieten und hofft, dass damit die Pachtung seiner Mahlmühle für potentielle Bewerber attraktiver wird. Und tatsächlich geben sich die Bewerber die Klinke in die Hand, bleiben jedoch nur eine geraume Zeit. Der Grund entzieht sich dem Chronisten. So zieht 1923 der Pächter Simon in Sternbergs Mühle, bleibt jedoch nur zwei Jahre. Es folgen 1924 die Gebrüder Ermecke aus Frielinghausen und bleiben bis 1930. Dann versucht es der Pächter Rosenbeck aus Grevenbrück, bleibt jedoch nur bis 1934. Der Reigen findet eine Fortsetzung. 


Sommerfrische, eine neue Einkommensquelle

 

Für die Eheleute Franz und Anna Sternberg geht ihr Kinderwunsch nicht in Erfüllung. Das große Haus, das in alten Zeiten vom Kinderlachen und Lärmen erfüllt war, erfährt jetzt nur beklemmende Stille, gähnende und bedrückende Leere in vielen, einst belebten Räumen. Annas Verwandte in Blintrop führen bereits auf ihrem Hof Cormann-Brinkmann erfolgreich eine Pension. Da wird auch im Hause Sternberg die Idee geboren, mit der Beherbergung von Gästen ein zusätzliches Erwerbseinkommen zu schaffen.

In Eslohe besteht seit geraumer Zeit der Verkehrs- und Kurverein, der als gemeinnütziger Verein sich der Förderung der Heimatpflege, des Fremdenverkehrs und der Schaffung preiswerter und guter Wohnung für Ruhe- und Erholungsbedürftige sowie Genesende verschrieben hat. 34) Dessen Bemühungen fallen auf fruchtbaren Boden und machen das Amt Eslohe und seine Orte über die Grenzen hinaus bekannt. Außerdem gibt es nach dem ersten Weltkrieg eine bisher nicht gekannte Wanderbewegung, auch entfacht durch die Aktivitäten des SGV (Sauerländer Gebirgsverein). Das kommt dem Wunsch vieler Städter nach Naturnähe und Entspannung entgegen. Es ist eine gute Zeit für die Eheleute Franz und Anna Sternberg ihren Plan umzusetzen. 

1924 wird die große Tenne im Wohnhaus entfernt und durchbaut. So wird zusätzlich Raum für eine Fremdenpension geschaffen. Das Wohnhaus erhält einen Balkon und eine großzügige überdachte Terrasse. Üppige Blumenbeete und eine gepflegte Rasenfläche, unmittelbar am Wohnhaus und dem Salweybach gelegen, ist ein idealer Platz zum Verweilen, Sonnenbaden und Spielen. Sternbergs lassen ein Hausprospekt drucken und werben mit Zentralheizung, elektrischem Licht, Wasserspülung, Liegewiese und Angelsport nahe an Wald und Wasser im stillen Mühlental. Offiziell stehen 20 Gästebetten in 10 Zimmern mit fließend Wasser zur Verfügung sowie Bad und Gesellschaftsraum. Die einmalige Übernachtung kostet 1,50 RM und Frühstück 0,80 RM, die volle Pension mit Zimmer 3,25 RM pro Tag und ein „großes Wochenende“ ist für 6,00 RM im Angebot. 35)   

Die ersten Gäste lassen nicht lange auf sich warten und finden alles das bestätigt, was ihnen versprochen wurde. Anna Sternbergs Küchenplan bietet vielfältige und reichliche Kost und auch ihr Gatte zeigt sich den Gästen gegenüber offen und hilfsbereit und unterstützt seine Frau in jeglicher Art und Weise. In den Sommermonaten betreibt er ein eigenes Flussbad, das sich am bzw. im Salweybach zwischen Niedereslohe und Sallinghausen befindet. Durch Aufstauen des Baches an Feldmanns Schlacht, innerhalb des Dorfes, wird eine angenehme Stautiefe erreicht, die auch romantische Kahnfahrten erlaubt. Sternberg ist darauf bedacht, dass seine Gäste nicht über Gebühr mit dem Dorfleben berührt oder belästigt werden, denn er versprach im Hausprospekt einen staubfreien und ruhigen Erholungsaufenthalt. So ist überliefert, dass er Nachbarskinder beim Kuhtreiben auf der Dorfstraße anwies, die Rindviecher doch schneller anzutreiben, damit vor seinem Hause kein Kuhfladen das Wohlbefinden störe.

Die Gäste danken es ihm und fühlen sich wohl.  Lesenswerte Eintragungen, Reime, heitere Sprüche, selbst kreierte Gedichte und Zeichnungen füllen Gästebücher aus der Zeit von 1927 bis 1934 zeugen von Zufriedenheit, Abschiedsschmerz und dem Versprechen: „Wir kommen wieder“.
Am 11.8.1934 findet eine Zählung der Kurgäste in der Privatpension Sternberg statt. Man stellt fest: Das Haus ist voll! Insgesamt sind an diesem Tag 32 Sommerfrischler als zahlende Gäste zu melden.  

Sommerfrische in Vollendung: Privatpension Sternberg 1932
Sommerfrische in Vollendung: Privatpension Sternberg 1932

Der Pächter Caspar Voss und seine Ehefrau (Foto um 1935)
Der Pächter Caspar Voss und seine Ehefrau (Foto um 1935)

Ein schwieriges Unterfangen:

Die richtigen Weichen für die Zukunft stellen.

 

Den Eheleuten Franz und Anna Sternberg ist bewusst, dass sie aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters Weichen stellen müssen, die eine Fortführung ihrer Geschäfte und auch eine Nachfolge herbeiführen. 1934 pachtet der junge Caspar Voss aus Obersorpe zusammen mit seiner Ehefrau den ganzen Betrieb einschließlich der Fremdenpension. Nach halbjähriger Tätigkeit muss Voss aber die Mahlmühle aus seinen Händen geben, da er keine Meisterprüfung als Müller vorweisen kann. Die übernimmt 1935 der Pächter Haubold, der aus Sachsen stammt. Dass Caspar Voss die Sägemühle, die Landwirtschaft und die Pension nur bis 1938 führt wird im Dorf mit Bedauern zur Kenntnis genommen, denn der Pächter ist wegen seinem Geschäftsgebaren und seines guten Charakters sehr beliebt. Deshalb wird später die Nachricht von dessen „Heldentod“ 1942 in Russland große Bestürzung hervorrufen.

1938 tritt Josef Hacke als Pächter von Sternbergs Besitz auf und übernimmt auch von Haubold die Mahlmühle. Hacke heiratet 1942 eine Nichte von Frau Sternberg, Maria Cormann. Sie wird als mögliche Erbin des Mühlengutes in Betracht gezogen, nachdem der vorgesehene „Blutserbe“ Heinrich Thewes aus Merklinde (Sohn der Schwester Maria – siehe Zeile 25 im Anhang) an einer Kriegsverletzung stirbt. So ist das Ehepaar Hacke bereit, Kosten zu tragen, die Pächter üblicherweise nicht übernehmen: Josef Hacke verbessert die Inneneinrichtung der Mühle durch Anlage eines neuen Plansichters 36). Im Jahre 1944 installiert er einen zweiten Walzenstuhl und eine Kornreinigungsanlage. Im Sommer 1947 reicht wegen großer Trockenheit die Wasserkraft nicht aus um die Mühle allein zu betreiben. Hacke schafft notgedrungen einen 20 PS-Elektromotor an.

Franz Sternberg hat ein krankes Herz und ist deshalb schon seit Jahren körperlich nicht belastbar. Am 5. Januar 1949 stirbt er nach einer Herzattacke.

Das Verhältnis zwischen den Eheleuten Sternberg und der Familie Hacke gilt im Laufe der Zeit als zusehends mehr belastet. Das spitzt sich nach Josefs Tod nun zu. Anna Sternberg kann nun als Erbin ihres Gatten allein entscheiden und entzieht ihrer Nichte das Erbversprechen. Sie entscheidet, dass ihre, mit dem Müllermeister Anton Sapp aus Arpermühle frisch angetraute Nichte Johanna Sapp (geborene Cormann aus Kückelheim bei Arpe), Erbin in Sallinghausen wird. Die Entscheidung kommt für alle überraschend und mündet in einer gerichtlichen Verhandlung. Dort wird der klagenden Familie Hacke ein finanzieller Ausgleich und eine Verbleibenszeit von einem halben Jahr zugesprochen. 

Die Familie Hacke verlässt Sternbergs Besitz und zieht am 1.10.1949 nach Kirchveischede im Kreis Olpe, während am gleichen Tag die Eheleute Sapp 37) in Sallinghausen erscheinen und nicht ahnen, welch schwierige Zeit sie dort erwartet. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich noch wenige Fremdenbetten in der Pension, die jedoch größtenteils durch Kriegsvertriebene genutzt sind. Die Witwe Anna Sternberg führt forthin das Regiment bis sie infolge eines Blutsturzes am 27.9.1952 plötzlich und unerwartet verstirbt.   


Anna Sternberg, geb. Cormann (Foto um 1950)
Anna Sternberg, geb. Cormann (Foto um 1950)

Eine neue Zeit bricht an, eine neue Generation übernimmt 

 

Anton Sapp leiht sich Geld und kauft aus betrieblichem Interesse für 2.000 DM einen leichten LKW Marke Opel Blitz. Die Eheleute sind in Sallinghausen beliebt, dennoch fühlt sich das Ehepaar hier nicht heimisch. In Arpermühle ist Bruder Josef Sapp, ebenfalls gelernter Müllermeister, auf dem elterlichen Mühlengut. Zwischen den Brüdern besteht ein Versprechen, dass diese bei Eintreten von gewissen Umständen einen Tausch in Erwägung ziehen. Am 1.1.1953 übernimmt Josef Sapp in Übereinstimmung mit Bruder und Schwägerin das Mühlengut in Sallinghausen und zieht mit seiner Ehefrau Wilhelmine, geborene Schmidt aus Niederberndorf 38), nach Sallinghausen. Anton und Johanna Sapp, gehen mit ihren beiden, in Sallinghausen geborenen Söhnen Reinhold (*1950) und Norbert (*1952) zurück nach Arpermühle und bewirtschaften dort Mühle und Landwirtschaft.

Der neue Eigentümer Josef Sapp legt 1954 eine Getreidetrocknungsanlage an, baut 1955 ein Mehl- und Getreidelager, demontiert und verschrottet das Wasserrad und ersetzt es durch eine Turbine 39). Im Jahre 1958 wird mit dem Futtermittel-Handel begonnen und eine Saatgutreinigungsanlage aufgestellt, ein Jahr später die bestehende Getreidetrocknungsanlage durch einen Ölofen verbessert.

Schreckensstunden erlebt die Familie 1958. Das Stallgebäude brennt. Noch im gleichen Jahr wird es mit großen Verbesserungen durch den Bauunternehmer Göbel aus Niederberndorf, ein Onkel von Josef Sapp, wieder neu aufgebaut.
In dieser Zeit wird noch eine kleine Landwirtschaft geführt und 4 Stück Rindvieh, 5 Schweine und 7 Bienenvölker gehalten. 40)  1962 wird die Schrotmühle ausgebaut und durch eine Hammermühle ersetzt. Ein Futtermittellager wird neu errichtet, da der Handel sich ausweitet. Die eigene Landwirtschaft wird eingestellt. 

1967 wird die Kornmühle vom Grund auf neu aufgebaut und eingerichtet, die Sägemühle in der Folge vollständig abgerissen und eingestellt. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft wirkt sich auch auf den Mühlenbetrieb aus. Der Getreideanbau wird im Sauerland zugunsten einer intensiven Grünlandbewirtschaftung zurückgedrängt. Das Mahlen von Brotgetreide wird zu einer Aufgabe der industriellen Großmühlen und die Aufträge zur Getreidetrocknung lassen von Jahr zu Jahr nach. Der zwischenzeitlich erfolgte Eigentumsübergang auf den Sohn Bernhard Sapp, der dennoch den Ausbildungsberuf des Müllers erlernt hatte, bringt die Entscheidung, den Mühlenbetrieb 1989 gänzlich einzustellen. Dafür wird der Handel mit Futtermittel intensiviert. Die Anschaffung eines leistungsfähigen LKW - Silowagens mit Anhänger für den Futtermitteltransport auf die bäuerlichen Betriebe wird erforderlich. Die Konkurrenz durch die großen Absatzgenossenschaften wird größer und so ist auch die Einstellung des kleinen Landhandels nur folgerichtig. 

1992 wird das Mühlengebäude nebst Kontor zu Mietwohnungen umgebaut. Auch das ehemalige Stallgebäude, wie ein Teil des Wohnhauses, sind heute fest vermietete Wohnungen und Ferienwohnungen im stilvollen Ambiente.
Die Kraft des Wassers, das wie zu allen Zeiten durch den Mühlengraben auf die noch vorhandene Turbine strömt, bleibt auch heute nicht ungenutzt. Es wird das produziert, was einen immer größeren Stellenwert bekommt: Saubere und umweltfreundliche Elektrizität.

 

Die Geschichte des Mühlengutes in Sallinghausen zeigt in vielfältigster Weise, dass deren Besitzer sich stets den Geschicken stellen, daraus ihre Lehren ziehen und sich den Gegebenheiten anpassen mussten.  


Der Bericht zum Download und Ausdruck:


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Der junge Müllermeister Josef Sapp, rechts, mit dem Opel-Blitz (Foto um 1955)
Der junge Müllermeister Josef Sapp, rechts, mit dem Opel-Blitz (Foto um 1955)

Anhänge: 

1) Inhalt des Erbkaufbriefes wiedergegeben im Gutachten von Pfarrer Johannes Dornseiffer vom 4.5.1902
2) Die Bede, auch Beede, ist im engeren Sinne eine erbetene, freiwillig geleistete Abgabe an den Grundherrn, aus der sich mitunter eine regelmäßig erhobene, auch landesherrliche Steuer entwickelte.
3) Gemeint ist Malter, ein Volumenmaß für Schüttgut, wie Getreide. Jedoch ist hier die Größe der Fläche gemeint, die mit der Menge an Saatgut, welches zur Einsaat derselben benötigt würde, angegeben wird. Eine damals nicht unübliche Form der Aussage über die Größe einer Fläche vor der Landvermessung mit exakten Maßangaben.
4) Taufregister, Sterberegister und Kopulationsregister (Eheschließungen) der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Eslohe
5) aus dem Lateinischen: molitus = mahlen, zerreiben, zerdrücken
6) Hinweis im Gutachten des Pfarrer Johannes Dornseiffer vom 4.5.1902
7) Esloher Forschungen Band I = Beispiel: Q 393 Testament des erkrankten Jürgen Böhmer am 4.9.1772, Beispiel: Q 376 Testament des alten Herman Baust gnt. Gockel am 5.1.1770, Beispiel: Q 396 Testament des erkrankten Joan Dietrich Schulte zu Sallinghausen vom 23.1.1773
8) Esloher Forschungen Band I = Q 303
9) Esloher Forschungen Band I = Q 135
10) Esloher Forschungen Band I = Q 414).
11) Hinweis in der Sallinghauser Dorfchronik von Heinrich Heymer
12) Pastor Enst war dazu berechtigt, da er als Notarius Apostolicus bestallt war, eine Würde die ihm 1762 verliehen wurde. Siehe Johannes Dornseiffer: Geschichtliches über Eslohe, Seite 97
13) Esloher Forschungen Band I = Q 467 und Hinweis im Gutachten Pfarrer Dornseiffer vom 4.5.1902
14) Hinweis im Gutachten Pfarrer Dornseiffer vom 4.5.1902: „Ich werde das Wohl meiner Kinder bis in den Tod nach Kräften befördern und in Kraft meines Eides auch all dasjenige, was mir von der zur Vormundschaft angehörigen Sache beifallen, oder sonst erfahren möchte, stets gehörig und getreulich anzugeben so geneigt wie erbietig sein.“
15) Geschichtliches zur Oedinger Mühle aus Wikipedia: Die Oedingermühle liegt zwischen Oedingen und Oberelspe und war im Laufe der Zeit Eigentum der Familien Rump, Lintela und Kettler von Haus Valbert. Sie wurde stets von diesen verpachtet (Pachtmühle) oder von den Eigentümern selbst bewirtschaftet. Zwar scheint es keine Dokumentation der Mühlenhistorie zu geben, doch einige Dokumente deuten auf eine wechselhafte Geschichte hin:
a) Im Jahr 1475 bekunden Hans Hüser und Hynrick Henselyn (Kirchenvorsteher der Kirche zu Oedingen im Dorfe), Johan Rump zu Ostwig und seine Frau Anna hätten der Kirche die Hälfte der Wiese bei der Mühle („dey nyderste Dyk“) verkauft.
b) Ferner ist überliefert: Diderich Rump von der Wenne und sein Bruder Hermann verkaufen im Jahr 1486 an einen Johann to Berghusen eine Rente aus der Mühle in Oedingen.
c) Des Weiteren ist überliefert: Im Jahr 1553 kam es zwischen Friedrich von Wilnsdorf gen. Kolve und seinem Vetter Hermann Rump zur Wenne zu einem offenen Streit über den rechtmäßigen Besitz der Mühle. Schließlich wurde die Mühle von den fürstlichen Kommissaren dem Rump zugesprochen, der allerdings dem Kolve zum Ausgleich eine Kornrente leisten musste. Später ging die Familie Wilnsdorf in Konkurs, wobei ein Teil deren Güter den Rumps zufiel.
d) Auch ist überliefert: Im Jahr 1672 verpflichtete sich die Witwe des Christian von Lindtloe, Schulden ihres Sohnes bei der Kirche in Oedingen weiterhin zurückzuzahlen. Als Pfand war die Oedinger Mühle eingesetzt. Die Urkunde trägt einen Vermerk des Pastors Ritters: „haben allzeit die Pastores Zinsen gezogen“.
Interessant ist auch im Kontext zur Mühlengeschichte in Sallinghausen: Am 11. Mai 1873 verkaufte Freiherr von Ketteler seine Mahlmühle in Oedingen und eine Anzahl von Ländereien dem Thomas Sternberg. Daraus geht hervor, dass über mehrere Generationen hinweg die Sternbergs die Oedingermühle als Pachtmühle bewirtschaften und nun die Gelegenheit nutzten, diese als Eigentum zu erwerben. Der letzte Müller und Hoferbe der Oedingermühle Alfred Sternberg fiel im Zweiten Weltkrieg.
16) Auszug aus der Abschrift der Originalurkunden durch Dr. Magdalene Padberg im Jahre 1994: Am 27.4.1831 kommt es zu einer Verhandlung im Königlichen Justizamt in Eslohe. Dort erschien Franz Joseph Sternberg und Caspar Böhmer, gnt. Schuhmacher aus Niedersalwey, der Vormund über den jüngeren Bruder Anton Sternberg (* 19.4.1808) ist, welcher als minorenn (unmündig) bezeichnet wird. Es wird vorgetragen, dass der Haupterbe des Mühlenguts dem wohl körper- oder geistig behinderten Bruder vom elterlichen Vermögen eine Abfindung schuldet, die im Laufe der Verhandlung vertraglich beschrieben und festgelegt wird.
Der Begünstigte verstirbt jedoch schon bald an Auszehrung und Husten am 6.2.1833, sodass zwei weitere Brüder des Verstorbenen, Johann Clemens Sternberg (* 10.1.1801), der 1832 nach Lenhausen verzogen war, und Johann Ferdinand Sternberg (* 6.5.1805) ihre Ansprüche als Hinterbliebene von der zugesprochenen Abfindung des Verstorbenen geltend machen. Franz Joseph Sternberg weigert sich jedoch und sieht keine Veranlassung dazu, zumal er den verstorbenen Bruder Anton in seiner letzten Krankheit verpflegt hatte. Die Brüder treten deshalb klagend auf und es wird später, am 1.8.1837 verfügt, dass der Müller an Ferdinand Sternberg sofort zwölf Thaler Courant zu zahlen habe. Das gleiche ist sofort an Clemens zu entrichten und weitere vier Thaler und ein guter Koffer noch binnen acht Tagen.
17) Hinweis im Gutachten des Pfarrer Johannes Dornseiffer vom 4.5.1902
18) Hinweis im Gutachten des Pfarrer Johannes Dornseiffer vom 4.5.1902
19) Hinweis in der Sallinghauser Dorfchronik von Heinrich Heymer
20) Auszug aus der Abschrift der Originalurkunde durch Dr. Magdalene Padberg im Jahre 1994
21) Hinweis in der Sallinghauser Dorfchronik von Heinrich Heymer: Flaum hatte zuvor die Fabrik in Sieperting geplant und den Bau fachlich begleitet.
22) Hinweis in der Sallinghauser Dorfchronik von Heinrich Heymer
23) Diese Wasserturbine trägt den Namen des amerikanischen Ingenieurs James B. Francis, der diese besonders effektiv arbeitende Turbine 1849 entwickelte. Dieser Turbinentyp ist so erfolgreich, dass er bis heute in Wasserkraftwerke verbaut wird.
24) Auszug aus der Abschrift der Originalurkunde durch Dr. Magdalene Padberg im Jahre 1994, jedoch der Hinweis des Chronisten: Eberhard Eickhoff vom Schultenhof in Sallinghausen kann zu diesem Zeitpunkt nicht der Ortsvorsteher sein, da er bereits 1894 verstorben war. Wohlmöglich ist dies sein Neffe und Erbe des Schultenhofes, Eberhard Heymer gewesen. Es fällt auf, dass in der Urkunde Eickhoff ohne Angabe eines Vornamens genannt wird. Vermutlich ein Irrtum des Gerichtsschreibers bei der Publizierung des Testaments am 19.8.1902.
25) Maria Sternberg (* 29.5.1880) heiratete am 26.1.1910 den Henrich Tewes aus Merklinde
26) Hier befand sich damals noch ein Stollenausgang, ein Relikt aus dem im Mittelalter in Sallinghausen ausgeübten Erzbergbau. Der Stollen wurde nach dem zweiten Weltkrieg aus Sicherheitsgründen zugeschüttet, da er beim Bau der Eisenbahnlinie Finnentrop- Wennemen um 1910 in Mitleidenschaft gezogen war.
27) Am 20.2.1920 wurde Sallinghausen an das öffentliche Stromnetz durch die Überlandzentrale in Bestwig anschlossen. Dazu wurde das von Sternberg angelegt Leitungsnetz im Ort übernommen. Jetzt konnten auch leistungsstarke Motoren zum Betreiben von Dreschmaschinen, Schrotmühlen und Brennholzsägen angeschafft werden.
28) Dem Eberhard Heymer vom Schultenhof stellte Sternberg Kraftstrom zur Verfügung. Mit einem 2 PS-Elektromotor wurde Stroh geschnitten, gewaschen und die Buttermaschine betrieben.
29) aus Wikipedia: Ein Walzenstuhl ist eine Zerkleinerungsmaschine (Mahlmühle), in der das Mahlgut zwischen rotierenden Walzen aufgebrochen und zerrieben wird. Diese Bauform der Mühle ist bis heute die verbreitetste in industriellen Getreidemühlen.
30) Bericht W. Feldmann in den Esloher Museumsnachrichten 2003, Seite 44 „Streuobstwiesen – gut für des Menschen Leib und Seele“
31) Bericht W. Feldmann in den Esloher Museumsnachrichten 2014, Seite 22 „Oft genügt ein kleiner Funke“
32) Bericht W. Feldmann in den Esloher Museumsnachrichten 1996, Seite 50 „Unfreiwillige Landung eines Luftschiffes“
33) Esloher Forschungen Band I, Seite 98: „Das Unternehmen Bim Bam“
Als auch im zweiten Weltkrieg die Glocke aus der Sallinghauser Dorfkapelle nicht verschont wurde stieg Franz Sternberg in den Turm und schrieb 1943 in das Gebälk: „Antonius-Glocke 1801 – der Hitlerkrieg hat sie geraubt.“
34) Der Verein warb für sich selbst in der Sonderausgabe der Heimatblätter für das obere Sauerland aus Anlass des Sauerländer Heimatfestes zum 100. Geburtstag des Dichters Fr. W. Grimme. Die Feier fand am 13. u. 14.8.1927 in Eslohe statt.
35) Laut Führer für Ferien, Urlaub und Erholung im Sauerland, Siegerland und Wittgenstein, 1935 herausgegeben vom Landesverkehrsverband Westfalen e.V. mit Sitz in Dortmund
36) Ein Plansichter ist ein Sichter in der Mühle zur Trennung der Kornbestandteile, die nach der Mahlung auf dem Walzenstuhl anfallen.
37) Müllermeister Anton Sapp (* Arpermühle 21.5.1922 + daselbst 24.10.1997) und Johanna Sapp, geb. Cormann (* Kückelheim bei Arpe 26.6.1924 + Arpermühle 2.6.2017)
38) Müllermeister Josef Sapp (* Arpermühle 13.8.1923 + Sallinghausen 9.3.2007) und Wilhelmine Sapp, geb. Schmidt (* Elkeringhausen 22.3.1924 + Sallinghausen 26.8.2014)
39) Kauf von Kotthoff in Mielinghausen, deren Mühle durch den Bau der Hennetalsperre eingegangen war
40) Viehzählung am 3.12.1960