Kolping Aktion 1988 in Eslohe:

"Landwirtschaft wie vor 60 Jahren"


Antonius Fischer aus Isingheim (links) und Josef Schmitte, Bremscheid,  beim Interview 1988
Antonius Fischer aus Isingheim (links) und Josef Schmitte, Bremscheid, beim Interview 1988

Großes Interesse fand damals nicht nur in der heimischen Bevölkerung die Aktion der Kolpingfamilie Eslohe im Jahre 1988. Sie beging damals ihr sechzigjähriges Jubiläum ohne Feierstunde und Rückbesinnung auf ihre eigene Geschichte. Das fand zehn Jahre vorher in gebührender Art statt. Nun sollte den jüngeren Generationen in praktischer Weise vorgeführt werden, wie sich die Landwirtschaft im Sauerland und anderswo in der Zeit der Vereinsgründung, im Jahre 1928, darstellte und mit welchen heute einfach anmutenden Mitteln und hohem körperlichen Einsatz vieler Menschen auf dem Lande damals dem Boden die Ernteerträge abgerungen wurde.  

 

Ein Jahr lang waren zahlreiche Akteure darin eingebunden, von der Aussaat bis zur Ernte und dem anschließenden Dreschen am Maschinenmuseum in Eslohe, die alte Zeit wieder lebendig werden zu lassen. Zu den Hauptakteuren gehörten Männer, die damals, alle schon in betagtem Alter, ihr Wissen nur zu gerne preisgaben. Sie alle sind nach und nach in den vergangenen Jahren von uns gegangen und sind selbst ein Stück Landwirtschaftsgeschichte geworden. 

 

Zwei Radioberichte im WDR (Radio für Südwestfalen), wunderbare Fotografien und Ausschnitte aus der heimischen Presse lassen uns nicht nur an diese gelungene KOLPING-Aktion vor fasst 30 Jahren, auch an diese Landmänner erinnern. 

 

Das musst Du unbedingt hören!

 

Höre mal hinein, in die zwei digital umgewandelte, akustische Beiträge des WDR-Hörfunks aus dem Jahr 1988. 

https://soundcloud.com/user-712087768/60-jahre-kolpingmpg/s-tQGhP



Josef Schmitte

war Landwirt und Schäfer. Geboren am 24.3.1903, hat er zu seinen Lebzeiten die Entwicklung in der Land- und Forstwirtschaft hautnah miterlebt. Sein Leben war hart gewesen und das hat ihn geprägt. 1943 wurde er im Alter von vierzig Jahren noch zum Kriegsdienst eingezogen, kam in russische Gefangenschaft und musste harte Forstarbeiten in den sibirischen Wäldern verrichten. Er kehrte erst im Januar 1948  in seinen Heimatort Bremscheid zurück. Dennoch war sein Tatendrang ungebrochen. Er galt als einer der Bremscheider Originale. Josef Schmitte starb am 8.3.1999 im Alter von 96 Jahren.

 


Anton Müller

war geboren am 15.5.1911 und von Beruf Landwirt und Metallarbeiter. Er war bekannt als „Landrat von Bremscheid“, dessen humorvolle Verse und Geschichten in plattdeutscher Sprache bis heute bekannt sind. Anton Müller war ein aufmerksamer Beobachter seiner Umwelt und interessierte sich für das Leben seiner Mitmenschen. Seine Gedichte sind somit ein Spiegelbild der Zeitgeschichte, sozusagen Karikaturen in Versen. Er starb  nur ein Jahr nach der KOLPING-Aktion, an der er sich aktiv beteiligt hatte. Am 29.9.1989 schloss er seine Augen.


 

Reinhold Hesse

aus Wenholthausen, geboren am 13.7.1927, war damals Redakteur beim Homert-Kurier. Er füllte das mit Werbung finanzierte und wöchentlich einmal erscheinende Blättchen mit aktuellen Berichten aus der Gemeinde Eslohe. Seine heimatkundlichen Beiträge ergänzten das Angebot und machten den Homert-Kurier zu einer lesenswerten Lektüre. Die Kolping-Aktion war für Reinhold Hesse eine willkommene Angelegenheit, über die er immer wieder in Bild und Text fortlaufend und mit Herzblut berichtete. Leider verstarb Reinhold Hesse bereits im Alter von 66 Jahren am 8.8.1993.

 

Antonius Fischer

war als Erstgeborener (geb. am 21.10.1915) Hofbesitzer in Isingheim. Er lebte unverheiratet in der Familie seines Bruders Eberhard, der seinen Hof bewirtschaftete und auf tragische Weise im August 1976 starb. Antonius war Landwirtschaftsmeister und ein Theoretiker „wie er im Buche steht“, gehörte den Gremien seines Berufsstandes an u.a. als  Mitglied der Kommission, die angehenden Landwirten in Praxis und Theorie ihre Prüfung abnahm. Gerne erinnern sich viele ehemalige Landwirtschaftsschüler an ihn, war er doch als ein gutwilligen Prüfer bekannt. Die Kolping-Aktion war Antonius Fischer "wie auf den Leib geschnitten" und deshalb trat er als einer der eifrigsten Aktiven auf. Er stellte sich gerne den Fragen der Reporter und führte über dieses Jahr ein umfangreiches Tagebuch über den Fortgang der Arbeiten, die Witterungsverhältnisse und die erworbenen Erkenntnisse. Er starb am 11.1.1997.


Wilhelm Belke-Bockheim

wurde am 23.8.1917 in Attendorn-Helden geboren. Er heiratete in das Gut Bockheim, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ort Isingheim gelegen, ein. Wilhelm Belke-Bockheim war als tüchtiger Land- und Forstwirtschaft angesehen und genoss auch wegen seiner ausgeglichenen Wesensart allgemeine Wertschätzung. Gemeinsam mit seiner Frau Luise beteiligte er sich mit großem Interesse an der Ernteaktion, bezeugt durch Fotos in der Ausgabe des damals gern gelesenen Homert-Kuriers. Dort sehen wir beide beim Aufstellen und Binden der Strohgarben. Wilhelm Belke-Bockheim ging am 16.1.1998 seiner Frau im Tode voraus.


Namentlich alle Akteure zu nennen, würde den Rahmen hier sprengen. Dem damaligen Kolping-Vorsitzenden Günter Schmidt standen einige Fachleute zur Seite, die ihre Kenntnisse über den Landbau gerne zum Besten gaben. Darunter waren aktive Landwirte, so auch Ferdi Becker aus Sieperting und Josef Wiethoff gnt. Schuhmacher, aus Niedersalwey.



Bei der Getreideernte 1988: Theo Melcher, Bremscheid (links), Ferdi Becker, Sieperting (auf dem Wagen) und Antonius Fischer, Isingheim (rechts)
Bei der Getreideernte 1988: Theo Melcher, Bremscheid (links), Ferdi Becker, Sieperting (auf dem Wagen) und Antonius Fischer, Isingheim (rechts)